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September 2001


Den Sorben gegen die Germanisierung helfen


Mit Recht wehren sich die Sorben. Schüler der slawischen Volksgruppe im Osten Deutschlands bestreiken den Unterricht für den Erhalt ihrer Sprache und ihrer Kultur.

Am 31.8. haben in der Oberlausitz mehr als tausend sorbische Schüler und Eltern an Protesten gegen die sächsische Schulpolitik teilgenommen. Ihr " Streik" an allen sorbischen Schulen soll die Aktionen gegen die minderheitenfeindliche Schulpolitik des sächsischen Kultusministers Matthias Rößler (CDU) ausweiten. Die Vertreter der slawischen Volksgruppe wollen damit einen Kurswechsel zugunsten des Erhalts sorbischer Schulklassen erreichen. Die sorbischen Schüler gehen zwar zur Schule, besuchen aber nicht den normalen Unterricht. Sie beschäftigen sich stattdessen mit den Anliegen der sorbischen Proteste, die schon seit über zwei Wochen andauern. Die Sorben fordern , dass an der sorbischsprachigen Schule im kleinen Dorf Crostwitz eine fünfte Klasse eingerichtet wird. Sie fürchten um den Erhalt dieser Schule, die für das Überleben eben ihres Volkes in der Region von großer Bedeutung sei. Die Gegend um Crostwitz gilt als Kernstück des sorbischen Siedlungsgebietes, weil in diesen Dörfern das Sorbische noch vielfach Alltagssprache ist und sich eine Mehrheit aktiv dem Sorbentum zuordnet. Sachsens Kultusminister lehnt die Einrichtung der fünften Klasse ab, weil mit 17 Schülern nicht genug Kinder für die Schu1e angemeldet seien. Wegen des durch den Geburtenrückgang fehlenden Schülernachwuchses könnten laut Rößler nicht alle sorbischen Schulen erhalten bleiben. Bereits seit drei Wochen weigern sich die Eltern der 17 Schülern in Crostwitz, ihre Kinder an andere Schulen zu bringen, die Kilometer entfernt sind. Ehemalige sorbische Lehrer unterrichten die Schüler stattdessen. Die Crostwitzer Schule ist"ein Eckpfleiler für den Erhalt der sorbischen Sprache und Kultur", sagt die Elternsprecherin Jana Marikowa. Gespräche zwischen den Schulbehörden und Eltern sind bereits mehrmals gescheitert. Am 30.8. ließ die deutsch-sächsische Staatsmacht die Situation eskalieren und verweigerte den pensionierten Lehrern und den 17 Schülern erstmals der Zugang zu der Crostwitzer Schule. Der alternative Unterricht fand daraufhin in einer Turnhalle statt. Mit Bußgeldern und Nichtanerkennung des gesamten Schuljahres drohte unterdessen die Schulbehörde und will so die Sorben in die Knie zwingen. CDU-Rößler verwies arrogant darauf, dass die Sorben bereits Privilegien genießen, die außerhalb ihres Siedlungsraumes nicht angeboten würden. Es reicht Herr Rößler, ihr Germanisierungskurs muss gestoppt werden. Den Sorben, als Nachfahren der slawischen Urbevölkerung Brandenburgs und Sachsens müssen wir dagegen helfen ihr Recht auf den Erhalt ihrer Sprache durchzusetzen. Protestieren Sie direkt beim sächsischen Kultusminister unter info@smk.sachsen.de und dringen Sie bei Ihren Wahlkreisabgeordneten der Parteien auf Einflussnahme.


Robert Stern, Berlin