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Solidaritätsaktion zur Unterstützung der Sorben

29-08-2001


Über den in Sachsen tobenden Skandal anlässlich der Schließung der 5. Klasse der sorbischen Grundschule in Crostwitz, erfuhr die breitere tschechische Öffentlichkeit in der vergangenen Woche. Die Fernsehnachrichten brachten am Abend nach dem Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder in Nordböhmen u.a. auch Bilder von einer Protestkundgebung, die die Sorben in Liberec/Reichenberg veranstalteten, um den Bundeskanzler auf ihr Problem aufmerksam zu machen. Doch auf tschechischer Seite fanden sie schon früher Unterstützung. Markéta Maurová berichtet.

Bereits am 14. August entstand im nordböhmischen Warnsdorf eine Solidaritätsaktion zur Unterstützung der für ihre Schule kämpfenden Sorben. Man hat bisher etwa 500 Unterschriften gesammelt, weitere schließen sich aber jeden Tag überall in ganz Tschechien an. Der Initiator und erste Signatar ist der Warnsdorfer Schriftsteller Milan Hrabal. Radio Prag bat ihn, uns aus dem Text der Erklärung zu zitieren:

"Wir äußern unsere Solidarität mit dem Streben der Sorben nach der Erhaltung des sorbischen Schulwesens und sind uns dessen bewusst, dass es eine der unausweichlichen Bedingungen für die weitere Existenz dieser kleinen Nation ist."

Dass die Solidaritätsaktion gerade in Warnsdorf zur Welt kam, ist kein Zufall. Nach 1945 fanden dort mehrere sorbische Künstler ihren Wohnsitz, die Stadt bot den slawischen Nachbarn in Deutschland aber auch eine wichtige Institution.

"Es gab hier vor allem ein sorbisches Gymnasium. Dieses existierte schon drei Jahre vor der Gründung der DDR. Es war in der Geschichte ihrer Nation überhaupt das erste Mal, dass sie die Oberschulausbildung in ihrer Muttersprache erhalten konnten. Im Gymnasium wurde auf Sorbisch bzw. auf Tschechisch unterrichtet."

Warnsdorf wurde damals das "Fenster zur Lausitz" genannt und daran hat man auch nach 1989 angeknüpft. "Die bedeutendste Veranstaltung ist das traditionsreiche Fest der sorbischen Poesie, das in der Lausitz seit 23 Jahren stattfindet. Aber vor fünf Jahren haben wir beschlossen, dass es an einem Tag auch im tschechischen Warnsdorf gastieren soll. Außerdem gibt es hier Konzerte, Ausstellungen usw. Die Stadtbibliothek in Warnsdorf gab bereits drei Publikationen anlässlich des erwähnten Poesiefestes sowie eine Anthologie der jüngsten sorbischen Poesie heraus. Dabei handelt es sich um eine Rarität: Zum ersten Mal erschien im Ausland eine Anthologie sorbischer Autoren, die bisher kein eigenes Buch herausgegeben haben."

Warnsdorf stellt mit seiner regen Tätigkeit eine Ausnahme dar, doch vereinzelte Aktivitäten gibt es auch in Brno, Semily und anderen Städten. In Prag existieren zwei Vereine zur Pflege der tschechisch-sorbischen Kontakte, eine Zeitschrift und natürlich die Tradition des Lausitzer Seminars, das bereits im 18. Jahrhundert für Studenten aus der Lausitz auf der Prager Kleinseite errichtet wurde.

Demonstration der Lausitzer Sorben

17-09-2001


Die Mitglieder und Freunde des tschechisch-sorbischen Vereins hatten am Donnerstag vor den politischen und kulturellen Vertretungen Deutschlands zu einer Kundgebung gerufen, die das Interesse Tschechiens am Schicksal der Lausitzer Sorben demonstrieren wollte. Ob sie mit ihrem Anliegen erfolgreich waren, dazu mehr in einem Beitrag von Karin Schöne.

Unter dem Einfluss der Terorranschläge auf das New Yorker Welthandelszentrum wurde der Demonstrationszug, der von der Deutschen Botschaft über das Regierungsamt weiter zum Goethe-Institut ziehen sollte, offiziell abgesagt und so trafen wir am Donnerstag um 17 Uhr vor dem Prager Goethe-Institut nur rund 15 Mitglieder und Anhänger des 43-Mitglieder-zählenden Vereins, die sich zur Übergabe eines offenen Briefes versammelt hatten. Welches Ziel man mit der Übergabe des Briefes erreichen wollte und warum man sich gerade an das Goethe-Institut wendet, konnte uns einer der Initiatoren Hanus Härtel sagen:

Ich würde sagen, dass es hier um ein Treffen ging, das zum Ziel hatte, das Goethe-Institut über die Haltung der tschechischen Bürger insbesondere der Freunde des sorbischen Volkes sowie über die Ereignisse, die die sorbischen Schulen in der Lausitz betreffen, zu informieren. Es handelte sich hierbei nicht um einen Protest, sondern um einen Aufruf mit der Bitte um Zusammenarbeit. Wir wünschen uns, dass das Goethe-Institut uns dabei hilft, zusammen mit anderen Institutionen Druck auf die sächsische Regierung zu entwickeln, die den Unterrricht in der sorbischen Schule in Crostwitz blockiert.

Härtel betonte weiter, das er die Einschränkung des Unterrichts an einer von zwei sorbischsprachigen Schulen für eine ernsthafte Bedrohung der Existenz des Volkes der Lausitzer Sorben halte. Das sächsische Schulministerium hatte beschlossen, dass dieses Schuljahr am Crostwitzer Gymnasium keine fünfte Klasse eröffnet werden sollte, da sie mit 17 Schülern nicht der Mindestschülerzahl entsprochen hätte.

Während des ca 20 minütigen Gespräches in dem bekannten grünen Jugendstilgebäude am Masaryk-Ufer versprach der stellvertretende Leiter des Goethe-Institutes Herr Späth den Demonstranten, ihr Anliegen an Partner-Institutionen in Sachsen weiterzuleiten. Gleichzeitig wies er auf einige Projekte hin, die die Wahrnehmung des sorbischen Volkes und seiner Probleme in der Öffentlichkeit unterstützen könnten. Abschließdend versicherte er den Autoren des Briefes:

Während man sich gerade in der breiten Öffentlichkeit in Tschechien noch mehr Aufmerksamkeit für die Probleme eines der kleinsten slavischen Völker wünscht, hat sich das tschechische Schulministerium bereits zu ersten Schritten zur Unterstützung der Lausitzer Sorben entschlossen. Gegen Ende des Monats plant der tschechische Schulminister Eduard Zeman, leitende Vertreter des Dachverbandes der Sorben zu empfangen. Dabei will man gemeinsam über die Eckpunkte eines möglichen Treffens mit dem sächsischen Bildungsminister Rössler beraten.