08.08.2001
Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert Sachsens Bildungspolitik
Den Protesten gegen die sächsische Schulpolitik im sorbischen Crostwitz hat sich nun auch die Gesellschaft bedrohter Völker (GfBV) in Göttingen angeschlossen.
Generalsekretär Tilman Zülch bezeichnete
am Mittwoch die Weigerung von Sachsens Landesregierung, eine 5. Klasse in Crostwitz
(Landkreis Kamenz) einzurichten, als "staatlich gefördertes schleichendes
Sterben einer Minderheitensprache". Das Kultusministerium hatte die Einrichtung
einer neuen 5. Klasse abgelehnt, weil nur 17 Anmeldungen vorliegen, aber die
Zweizügigkeit gewährleistet sein müsse.
Diese Entscheidung nicht zu rechtfertigen, sagte Zülch. "Diese bewußte
Zerstörung einer intakten sorbischschprachigen Einrichtung ist ein unerhörtes
Beispiel dafür, wie sehr selbst alteingesessene Minderheiten in Deutschland
vom Wohlwollen der Regierung abhängig sind", sagte der Menschenrechtler.
Er bedauerte, dass der Schutz der der in Deutschland lebenden Sorben, Friesen,
Dänen sowie Sinti und Roma nicht als Staatsziel in das Grundgesetz aufgenommen
worden sei.
Die CDU-Landtagsfraktion verteidigte die Entscheidung des Kultusministeriums.
Die sorbische Mittelschule in Crostwitz sei nicht zu halten, sagte Fraktionssprecherin
Siegrun Einsle. Als Alternative stünden den Eltern und Schülern drei Sorbische
Mittelschulen in der Nachbarschaft zur Verfügung. Einsle forderte jedoch die
Staatsregierung zu mehr Unterstützung für sorbische Kindertagesstätten auf,
damit über das Witaj-Projekt auch deutsche Kinder künftig sorbische Schulen
besuchen könnten. Es sei die Aufgabe der Regierung dem Bedeutungsverlust der
sorbischen Sprache entgegenzuwirken.
Ende Juli hatte auch das sächsische Verwaltungsgericht Dresen die Entscheidung
des Kultusministeriums bestätigt. Die Gemeinde Crostwitz hatte eine aufschiebende
Wirkung beantragt. Bislang weigern sich die betroffenen Eltern, ihre Kinder
in der Schule im benachbarten Räckelwitz anzumelden. Sie wollten die Fünfklässler
am Donnerstag in die Crostwitzer Schule bringen. Für Mittwochabend waren Proteste
in der sorbischen Mittelschule Crostwitz angekündigt.
10.08.2001
Ungeachtet der auch für Montag angekündigten Besetzung der sorbischen Mittelschule in Crostwitz (Landkreis Kamenz) bleibt das Kultusministerium hart.
"Unsere
Entscheidung steht, wir setzen jetzt auf das Einlenken der Eltern", sagte
Sprecher Steffen Große am Freitag in Dresden. Das Ministerium hatte angesichts
sinkender Schülerzahlen die Neueinrichtung einer fünften Klasse in Crostwitz
abgelehnt. "Zu Gunsten der Qualität in der Schulausbildung sollten andere
Standorte gestärkt werden", sagte Große.
Aus Protest halten Eltern und Schüler seit Donnerstag die Schule besetzt. Die
17 Fünftklässler aus Crostwitz erhielten auch am Freitag von pensionierten Lehrern
regulären Fachunterricht. Die Schüler sollen im vier Kilometer entfernten Räckelwitz
unterrichtet werden. Das sei auch durch das Verwaltungsgericht in Dresden so
entschieden worden, sagte Große.
Der Vorsitzende des Sorben-Dachverbandes Domowina, Jan Nuck, bat Kultusminister
Matthias Rößler (CDU) unterdessen um eine kurzfristige Beratung am Montag in
Crostwitz, um einen Ausweg aus der zugespitzten Situation zu finden. Bis Freitagnachmittag
lag keine Zusage vor.
Eltern baten zudem die SPD-Bundestagsabgeordnete Barbara Wittig, Bundeskanzler
Gerhard Schröder (SPD) zu informieren, "wie der Freistaat Sachsen mit den
Sorben als Minderheit verfährt". Die Eltern berufen sich auf die sächsische
Verfassung, in der Schutz und Förderung der sorbischen Sprache insbesondere
durch Schulen festgeschrieben sind.
Domowina-Geschäftsführer Bernhard Ziesch bezeichnete die Nichteinrichtung der
Klasse 5 in Crostwitz als "unberechtigten Vorgriff". "Wir haben
um eine Übergangsfrist von etwa fünf Jahren gebeten, um selbst ein akzeptables
Schulkonzept für die zweisprachige Ausbildung in den Schulen der zweisprachigen
Lausitz vorzulegen." Gegenwärtig liefen dazu an den Schulen in Räkelwitz
und Panschwitz- Kuckau Modellprojekte. Auch der Rat für sorbische Angelegenheiten
im Landtag hatte der Staatsregierung diese Übergangsfrist empfohlen.
"Es ist ein Denkfehler, dass wir als Minderheit die gleichen Maßstäbe erfüllen
sollen, wie die Mehrheit", sagte Bozena Pawlik, wissenschaftliche Mitarbeiterin
des Witaj-Sprachzentrums in Bautzen. "Wenn die sorbische Sprache nur noch
am Küchentisch gesprochen wird, ist ihr endgültiges Verschwinden vorprogrammiert".
Über das Witaj-Projekt wird seit Ende 1990 in Kindergärten der Lausitz die sorbische
Sprach spielerisch vermittelt. Erste "Witaj-Kinder" besuchen seit
vergangenem Jahr die Grundschule. Diese Methode wird vom Kultusminister begrüßt.
Die sorbische Mittelschule in Crostwitz ist neben der in Ralbitz die einzige,
an der die Umgangssprache Sorbisch ist. In Räckelwitz und Panschwitz-Kuckau
wird die sorbische Sprache in der A-Klasse als Unterrichtssprache und in der
B-Klasse als Zweit-Sprache gelehrt.
13.08.2001
Äusserungen von Kultusminister Rössler sorgen für Unmut in Crostwitz
Äußerungen von Kultusminister Matthias Rößler (CDU) zum Schulprotest im Crostwitz (Landkreis Kamenz) sorgen für Unmut.
"Herr Rößler will mit uns nur sprechen,
wenn die Crostwitzer Eltern ihre Schüler sofort in die Schule nach Räckelwitz
bringen. Das ist Erpressung", sagte der Vorsitzende des Sorben-Dachverbandes
Domowina, Jan Nuck, am Montag auf Anfrage. Seit Donnerstag letzter Woche protestieren
17 Schüler und deren Eltern dagegen, dass nach dem Willen des Ministeriums keine
5. Klasse mehr in Crostwitz eingerichtet wurde. Diese ist jedoch noch die einzige,
in der Sorbisch auch Umgangssprache ist.
Über weitere Maßnahmen soll nun beraten werden, meinte Nuck. Er hatte am vergangenen
Freitag den Minister um ein Gespräch in Crostwitz gebeten.
14.08.2001
Die protestierenden Eltern und Schüler an der sorbischen Mittelschule in Crostwitz (Landkreis Kamenz) haben prominente Fürsprecher gefunden.
Der
Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Joachim Reinelt, bot sich am Dienstag als
Vermittler an. Kultusminister Matthias Rößler (CDU) und der katholische Würdenträger
wollen sich an diesem Mittwoch zu einem Gespräch treffen, sagte Ministeriumssprecher
Steffen Große auf Anfrage.
Seit vergangenem Donnerstag protestieren Schüler und Eltern dagegen, dass in
Crostwitz keine fünfte Klasse mehr eingerichtet werden soll. Die 17 Fünftklässler
blieben auch am Dienstag dem Unterricht im nahen Räckelwitz fern. Sie werden
von pensionierten Lehrern unterrichtet. Am Dienstagvormittag hielt der sorbischstämmige
Schriftsteller Jurij Brezan eine Stunde im Fach Geschichte, teilte der Sorben-Dachverband
Domowina mit.
"Bischof Reinelt unterstützt die Erhaltung der Schule in Crostwitz, sieht
zugleich aber auch die Notwendigkeit der Konzentration von Schulen", teilte
das Bischöfliche Ordinariat weiter mit. Er wolle beim Kultusministerium auf
schnelles Handeln drängen.
Der Domowina-Vorsitzende Jan Nuck zeigte sich indes skeptisch gegenüber dem
Vermittlungsangebot: "Wir wollen keine Konzentration von sorbischen Schulen."
Im Kamenzer Raum gäbe es derzeit jeweils vier sorbische Grund- und Mittelschulen.
Diese "institutionellen Sprachräume" müssten erhalten bleiben, sonst
würde Sorbisch bald nur noch in den Familien gesprochen.
Am Dienstag nahmen nach Domowina-Angaben rund 300 Eltern und Unterstützer an
so genannten Meetings in Crostwitz teil. "Selbst wenn die Eltern mit dem
Protest aufhören, werden wir weiter machen", kündigte Nuck an. Sie würden
ihr Anliegen möglicherweise Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bei seinem
Besuch in Ostritz am 21. August vortragen, sagte der Interessenvertreter der
Sorben.
Das Kultusministerium bekräftigte unterdessen seine Gesprächsbereitschaft. Allerdings
müssten die 17 betroffenen Schüler ihren Schulweg ins nahe Räckelwitz antreten,
sagte Kultus-Sprecher Große.
Wegen zu geringer Schülerzahlen war zu Beginn dieses Schuljahres in Crostwitz
keine fünfte Klasse mehr eingerichtet worden. Eine Klage vor dem Verwaltungsgericht
in Dresden dagegen war gescheitert.
15.08.2001
Das tschechische Mitglied des Deutsch- Tschechischen Gesprächsforums, Miloslav Bednar, hat am Mittwoch die Vorgänge um die Mittelschule in Crostwitz scharf kritisiert.
Mit der geplanten Abschaffung der fünften Klasse widerspreche die
sächsische Landesregierung ihrer eigenen Minderheitenpolitik, sagte Bednar,
der für die konservative Demokratische Bürgerpartei (ODS) im Forum sitzt. Zuvor
hatte bereits der kommunistische Abgeordnete Jaromir Kohlicek (KSCM) die Situation
in Crostwitz kritisiert.
Nach Ansicht von Bednar "wirft die Entscheidung der sächsischen Behörden
indirekt einen Schatten auf die deutsch-tschechischen Beziehungen und die Vertrauenswürdigkeit
der Minderheitenpolitik im Rahmen der Europäischen Union". Tschechien hat
aus historischen Gründen über die Sorben ein formloses Kulturpatronat übernommen,
aus dem jedoch keine Verpflichtungen entstehen.
16.08.2001
Domowina: Vorschlag zu sorbischen Schulen inakzeptabel
Der Schulprotest an der sorbischen Mittelschule Crostwitz wird fortgesetzt. Der Vorsitzende der Domowina, Jan Nuck, wies am Donnerstag einen Vorschlag des Landkreises Kamenz vom gleichen Tag als "absolut nicht akzeptabel" zurück.
Das Landratsamt Kamenz hatte vorgeschlagen,
die Grundschulen in Crostwitz, Nebelschütz, Panschwitz-Kuckau und Ralbitz-Rosenthal
wohnortnah zu sichern. Die Bürgermeister der vier Gemeinden und Landrätin Andrea
Fischer (CDU) hatten sich geeinigt, bis bis zum Schuljahr 2004/05 im sorbischen
Siedlungsgebiet eine neue, zentrale Mittelschule in Trägerschaft des Kreises
zu bauen.
Der Schulausschuss des Landtags wollte sich am Donnerstag in einer kurzfristig
anberaumten Sondersitzung mit dem Streit befassen. Die Tagung war von der PDS
beantragt worden. Die Fraktion will erreichen, dass der Landtag Kultusminister
Matthias Rößler (CDU) zum Einlenken auffordert.
Nach dem Vorschlag des Landratsamtes sollen noch in diesem Jahr die Gemeinden
die Aufhebung der bestehenden Mittelschulen bis 2003/04 beschließen. Für die
Übergangszeit will Landrätin Fischer beim sächsischen Kultusministerium eine
Interimsregelung für die bestehenden Mittelschulen erreichen.
"Wir sind erschüttert über diesen Vorschlag", sagte Domowina-Chef
Nuck. "Dafür hätten wir nicht auf die Straße zu gehen brauchen." Auch
die Vermittlungsgespräche des Bischofs von Dresden-Meißen, Joachim Reinelt,
zwischen dem Kultusministerium und der sorbischen Seite hatten am Mittwoch keine
greifbaren Ergebnisse gebracht.
Nuck hat für Freitagnachmittag eine Sondersitzung des Bundesvorstandes der Domowina
einberufen. Angekündigt ist außerdem ein Sternmarsch der Sorben am Freitagabend
zur Crostwitzer Kirche mit anschließendem Gottesdienst vorgesehen.
Seit einer Woche wird 17 Fünftklässlern von pensionierten Lehrern regulärer
Fachunterricht an der sorbischen Mittelschule in Crostwitz erteilt. Die Eltern
weigern sich, ihre Kinder ins benachbarte Räckelwitz in die Schule zu schicken.
Eltern und Domowina wollen den Erhalt des sorbischen Schulnetzes durchsetzen.
Die Crostwitzer Mittelschule ist die einzige, an der die Umgangssprache Sorbisch
ist.
17.08.2001
Kultusminister traf protestierende Eltern
Kultusminister Matthias Rößler (CDU) hat sich erstmals seit der Besetzung der sorbischen Mittelschule in Crostwitz mit den protestierenden Eltern getroffen.
Beide Seiten hätten vereinbart, über Inhalte
des Gesprächs Stillschweigen zu bewahren, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums
am Freitag in Dresden. Ein neuer Gesprächstermin sei vorerst nicht vereinbart
worden.
In Crostwitz protestieren seit dem vergangenen Donnerstag Schüler und Eltern
dagegen, dass an der Mittelschule wegen zu geringer Schülerzahlen keine fünfte
Klasse mehr eingerichtet wurde. Eltern weigern sich, ihre Kinder ins benachbarte
Räckelwitz in die Schule zu schicken. Stattdessen werden die 17 Fünftklässler
in Crostwitz von pensionierten Lehrern unterrichtet.
Der Bundesvorstand der Domowina wollte am Freitagnachmittag in dem Ort zu einer
außerordentlichen Sitzung zusammenkommen. Für den Abend war ein Sternmarsch
der sorbischen Kirchengemeinden Radibor, Panschwitz-Kuckau und Ralbitz nach
Crostwitz angekündigt.
Der frühere Menschenrechtsbeauftragte der tschechischen Regierung, Petr Uhl,
forderte unterdessen Außenminister Jan Kavan auf, die Vorgänge um die Schule
am kommenden Dienstag beim Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder in Reichenberg
(Liberec) zu besprechen. Tschechien sollte sich für die Sorben einsetzen, deren
Widerstand mehr sei als nur ein Kampf für die eigene nationale Identität, schrieb
Uhl am Freitag in einem Beitrag für die tschechische Tageszeitung "Pravo".
Tschechien hat aus historischen Gründen über die Sorben ein formloses Kulturpatronat
übernommen.
20.08.2001
Kritik
aus dem Ausland
Petition aus Nordböhmen
Der von der Domowina berufene "Runde Tisch" für ein künftiges sorbisches Schulnetz wird sich am Mittwoch erstmals in Crostwitz treffen.
Das teilte der Sprecher der Domowina, Jurij Wuschansky, am Montag
auf Anfrage mit. Das Gremium war vergangenen Freitag auf der außerordentlichen
Bundesvorstandssitzung des Sorbenbundes in Crostwitz (Landkreis Kamenz) berufen
worden. Die 17 Mitglieder sollen die vorliegenden Konzepte für das Netz von
sorbischen Schulen überdenken und von Fachleuten prüfen lassen.
Der Protest von Eltern und Fünftklässlern an der sorbischen Mittelschule in
Crostwitz wurde auch am Montag fortgesetzt. Sie wehren sich dagegen, dass an
der Schule keine 5. Klasse mehr eingerichtet wurde und verweigern den Unterricht.
Über Ergebnisse von Gesprächen von Kultusminister Matthias Rößler (CDU) mit
den Eltern vom vergangenen Freitag wurde Stillschweigen vereinbart.
Sachsens SPD forderte in einem Antrag zur Erhaltung der sorbischen Mittelschulstandorte
die Regierung auf, den Status Quo bis Ende 2002 aufrecht zu erhalten. Die Regelung
solle solange gelten, bis ein schlüssiges Konzept gefunden sei. Modell für kleine
Schulen gebe es deutschland- und europaweit, sagte SPD-Schulexperte Gunther
Hatzsch. Auch der PDS-Landtagsabgeordnete Heiko Kosel forderte die Zulassung
der 5. Klasse in Crostwitz. Domowina und Elterninitiative wollen am Dienstag
mit einer Abordnung nach Ostritz fahren, das Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) auf seiner Sommerreise durch die neuen Länder besucht.
Kritik an dem Gerangel um die sorbische Schule kommt inzwischen auch aus dem
Ausland. So unterzeichneten in der nordböhmischen Region um Schluckenau (Sluknov)
bereits mehr als 100 Menschen eine Petition gegen die Vorgänge in der sorbischen
Lausitz. Es sei sehr unangenehm, wenn in der Zeit der demokratischen Befreiung
Europas das Netz von Schulen der Lausitzer Sorben zerstört werden würde, heißt
es in der in Büchereien und öffentlichen Gebäuden ausliegenden Liste. Auch mehrere
Prager Politiker hatten die Situation scharf kritisiert. Tschechien hat aus
historischen Gründen über die Sorben ein formloses Kulturpatronat übernommen,
aus dem aber keine Verpflichtungen entstehen.
15.08.2001
Mit der Axt an die Wurzeln: Sorbischer Schulprotest in Crostwitz
Hoch "Hilde" meint es gut an diesem Mittwoch. Die Schüler der sorbischen Mittelschule in Crostwitz, gelegen im Städtedreieck Bautzen, Kamenz und Wittichenau, haben hitzefrei. Gemeinsam soll es zum Baden gehen.
Die lebhaften Gespräche der Schüler kann
man als Deutscher nicht verstehen. Die Mädchen und Jungen sprechen obersorbisch
- wie ihre Vorfahren, die vor weit über tausend Jahren in dieser Region beheimatet
waren. Über dem Schuldach weht die blau-rot-weiße Nationalitätenfahne.
Doch die Idylle trügt. Am Schulgebäude hängt ein Transparent mit der Aufschrift:
"Nasa lipa zelena..., Do korjena dze sekera - Die Axt an unsere Wurzeln
geht, haltet ein, noch ist es nicht zu spät". Denn seit einer Woche protestieren
Schüler und Eltern dagegen, dass es in Crostwitz keine fünfte Klasse mehr geben
soll. 17 Fünfklässler sind deshalb seit Schuljahresbeginn dem amtlich verordneten
Unterricht im benachbarten Räckelwitz ferngeblieben. Sie kommen aus Elternhäusern,
in denen fast nur sorbisch gesprochen wird. Deutsch können sie natürlich auch.
Die sächsische Regierung legt auf Grund sinkender Schülerzahlen für die nationale
Minderheit der Sorben die gleichen Maßstäbe an, wie sie für deutsche Schulen
gelten. Es geht um Schulschließungen und Konzentration auf ausgewählte Orte.
Domowina (Bund Lausitzer Sorben), Eltern und Gemeinde sehen darin einen Eingriff
in ihr Selbstbestimmungsrecht und den verfassungsrechtlich garantierten Schutz
von nationalen Minderheiten.
Die Domowina und der Rat für sorbische Angelegenheiten im sächsischen Landtag
hatten eine fünfjährige Ausnahmeregelung für das sorbische Mittelschulnetz angeregt.
Bis dahin sollte ein schlüssiges und den Schülerzahlen angepasstes Konzept zur
zweisprachigen Ausbildung für sorbische und deutsche Schüler vorgelegt werden,
zumal die Schülerzahlen bis dahin wieder ansteigen werde, sagt Domowina- Vorsitzender
Jan Nuck.
Jetzt hat es ein erstes Vermittlungsgespräch
durch Joachim Reinelt, Bischof des Bistums Dresden-Meißen, zwischen Kultusminister
Matthias Rößler (CDU) und der sorbischen Seite gegeben. Es werde nachdrücklich
an einem Gesamtkonzept für die sorbischen Schulen gearbeitet, hieß es aus Ordinariat
und Kultusministerium. Letzteres spricht sogar von einer Lösung, mit der auch
die Crostwitzer zufrieden sein könnten. Die Sorben bleiben abwartend.
Während Eltern und Sympathisanten täglich im Schulhof auf das Unterrichtsende
warten, bekommen die Schüler der 5. Klasse von sieben pensionierten Pädagogen
lehrplangetreuen Fachunterricht. Eine Ehrenaufgabe für die drei Frauen und vier
Männer, meint Elisabeth Nuck. Die Sorbisch-Lehrerin ist vor fünf Jahren aus
dem aktiven Schuldienst ausgeschieden und entwickelt seitdem Unterrichtsmittel
für den Sorbischunterricht, CDs, Videos und Kopiervorlagen.
"Ich möchte die Eltern unterstützen. Die Schule ist ein wichtiger Quell
zum Erhalt der Sprache", sagt sie. Die Mittelschulen in Crostwitz und Ralbitz
seien die einzigen, in der Sorbisch noch Umgangssprache ist. Schon in Panschwitz
und Räckelwitz gebe es zunehmend mehr Kinder, die nur noch die deutsche Sprache
beherrschten.
Crostwitz gilt neben dem Ort Ralbitz-Rosenthal als Mittelpunkt der noch intakten
sorbisch-katholischen Lebensweise. 95 Prozent der rund 2000 Einwohner in Crostwitz
(mit 6 Ortsteilen) sind nach Auskunft der Gemeindeverwaltung Sorben. "Jede
Schließung einer sorbischen Schule, bringt Verluste der Sprache mit sich, auch
wenn sie noch so klein ist", so Elisabeth Nuck.
22.08.2001
Das Sächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Bautzen hat die Nichteinrichtung einer 5. Klasse an der sorbischen Mittelschule Crostwitz als rechtens befunden.
Damit wurde die Beschwerde der Gemeinde Crostwitz (Kreis Kamenz)
gegen einen Beschluss des Verwaltungsgerichtes Dresden abgelehnt. Der Vorsitzende
der Domowina, Jan Nuck, setzt nun hohe Erwartungen in das Kabinett von Ministerpräsident
Kurt Biedenkopf (CDU). Am Dienstag nächster Woche wollen die Politiker über
eine Ausnahmeregelung für die Crostwitzer Mittelschule beraten.
Die Nichteinrichtung der Klasse 5 kollidiert nach Ansicht des OVG in keiner
Weise mit dem in der sächsischen Verfassung verankerten Minderheitenschutz.
Ersatzschulen mit einem vergleichbaren Unterrichtsangebot in Sorbisch liegen
nach Meinung der Richter in zumutbarer Entfernung. Die 17 Fünftklässler aus
Crostwitz könnten so an der rein sorbischsprachigen Mittelschule Ralbitz unterrichtet
werden. Zudem befänden sich sorbische Mittelschulen in den Nachbargemeinden
Räckelwitz und Panschwitz-Kuckau (Landkreis Kamenz).
Ungeachtet des Gerichtsbeschlusses wollten die Eltern ihren seit 14 Tagen laufenden
Protest fortsetzen. Solange werden die Kinder trotz Verbots weiter an der Mittelschule
Crostwitz von pensionierten Lehrern unterrichtet. Die Eltern fordern angesichts
der immer mehr zurückgehenden sorbischen Sprache den Erhalt des sorbischen Schulnetzes
- trotz vorübergehend sinkender Schülerzahlen.
Am Mittwochabend sollte erstmals der vom Bundesvorstand der Domowina berufene
Runde Tisch für das sorbische Schulnetz tagen. Das Gremium soll vorliegende
Konzepte überdenken und von Fachleuten prüfen lassen, darunter auch die Variante
der Freien Trägerschaft.
P.E.N.-Protest
Eigentlich eine "Selbstverständlichkeit"
Unterdessen hat sich auch der Exil P.E.N.
Club deutschsprachiger Länder für den Erhalt der Mittelschule Crostwitz eingesetzt.
Sie habe für die Sorben etwa die gleiche Bedeutung wie für die Deutschen die
Dresdner Kreuzschule oder die Leipziger Thomasschule. Bei einer drohenden Schließung
würden sich diese Eltern nicht anders verhalten, hieß es in einem Brief an Kultusminister
Rößler. Zudem sollte die Pflege der obersorbischen Sprache in einem Ort, der
mehrheitlich von Sorben bewohnt wird, eine Selbstverständlichkeit sein.
Der Vorsitzende der PDS-Landtagsfraktion, Peter Porsch, bewertete das Gerichtsurteil
als Ausdruck der Ignoranz. Verwaltungsgerichte seien nicht die geeigneten Orte
der Entscheidungsfindung. Es handele sich hierbei nicht um ein verwaltungsrechtliches
Problem, sondern um eine minderheiten- und bildungspolitische Auseinandersetzung
von europäischer Tragweite. Als letztes parlamentarisches Mittel bliebe eine
Sondersitzung des Landtages zu der Problematik, sagte Porsch. Dies müsse in
den nächsten Tagen geklärt werden.
Auch im Ausland stoßen die Vorgänge um die Zukunft der Crostwitzer Mittelschule
auf großes Echo. Der tschechische Publizist Jaroslav Jiru forderte Bundeskanzler
Gerhard Schröder (SPD) auf, mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Milos
Zeman über die Vorgänge in Crostwitz zu sprechen. Anlässlich seiner Sommerreise
wird der Kanzler am Freitag in Westböhmen erwartet. Tschechien hat aus historischen
Gründen über die Sorben ein formloses Kulturpatronat übernommen, aus dem aber
keine Verpflichtungen entstehen.
23.08.2001
Im Streit um die fünfte Klasse an der sorbischen Mittelschule Crostwitz (Landkreis Kamenz) strebt das Kultusministerium eine einvernehmliche Lösung im gesetzlichen Rahmen an.
Eine "wie auch immer geartete politische Sonderregelung außerhalb
bestehender Rechtsordnung" werde es nicht geben, teilte das Kultusministerium
am Donnerstag vor dem Hintergrund der anhaltenden Elternproteste mit. Sie wollen
die 17 Fünftklässler weiter in Crostwitz von pensionierten Lehrern unterrichten
lassen.
Das Oberverwaltungsgericht Bautzen (OVG) hatte am Mittwoch die Nichteinrichtung
der 5. Klasse in der Schule für rechtens befunden. Die Richter bestätigten damit
den Beschluss des Verwaltungsgerichts Dresden von Ende Juli. Dieses hatte sich
unter anderem darauf berufen, dass die Zahl der angemeldeten Schüler unter den
gesetzlich geforderten 20 Kindern pro Klasse lag und mit der sorbischen Mittelschule
in Räckelwitz eine zumutbares Ersatzangebot vorliegt.
Sachsens Regierung warnte am Donnerstag vor einer übertriebenen Erwartungshaltung
bei den Eltern, die ihren Protest zunächst fortsetzen wollen. Sie hoffen auf
eine nochmalige Prüfung des Falles, die Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU)
am Rande des Besuchs von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Ostritz zugesichert
hatte. Dieser Prüfung werde "innerhalb der Lösungssuche" stattfinden,
sagte Regierungssprecher Michael Sagurna. Mit dem neuen Gerichtsurteil werde
der Spielraum aber eher enger als weiter. Crostwitz sei aber kein Thema der
nächsten Kabinettssitzung, widersprach Sagurna entsprechenden Meldungen.
Der von der Domowina berufene Runde Tisch für das sorbische Schulnetz hatte
bei der ersten Zusammenkunft am Mittwoch in Briefen an Biedenkopf und Kultusminister
Matthias Rößler (CDU) um Aufschub und Status Quo gebeten. "Eine fünfte
Klasse zu schließen bedeutet, in fünf Jahren eine Schule zu schließen",
meldete sich erneut der sorbische Schriftsteller Jurij Brezan zu Wort.
"In diesem Fall heißt das, im Kernbereich einer lebendigen Sprache ein
Vakuum zu schaffen, das sich von Natur aus schnell nach allen Seiten ausbreiten
würde - ein Aussterben auf Raten", sagte er MDR online und forderte Rößler
zum Nachgeben auf. Niemand verliere sein Gesicht, wenn er einen eigenen Irrtum
als Irrtum anerkenne. Der Vorsitzende der PDS-Landtagsfraktion, Peter Porsch,
bezeichnete das OVG-Urteil als "Ausdruck der Ignoranz". Als letztes
parlamentarisches Mittel bliebe eine Landtags-Sondersitzung, sagte Porsch.
27.08.2001
Seit nunmehr fast drei Wochen halten Eltern und Schüler aus Protest gegen den Wegfall einer fünften Klassenstufe die sorbische Mittelschule in Crostwitz (Landkreis Kamenz) besetzt.
"Wir
halten durch, bis es ein Signal von der Staatsregierung gibt, das unsere Erwartungen
berücksichtigt", sagte der Vorsitzende der Domowina, Jan Nuck, am Montag.
Seit Beginn der Proteste habe es keine wirklichen Verhandlungen über das sorbische
Schulnetz gegeben. Gefordert werde eine generelle Ausnahmeregelung für sorbische
Schulen bezüglich der Klassenstärke, sagte Nuck.
Das Kultusministerium hatte die Bildung der 5. Klasse in Crostwitz wegen zu
geringer Schülerzahlen abgelehnt. Die Schüler sollen im vier Kilometer entfernten
Räckelwitz unterrichtet werden. Trotz des Verbots werden die 17 Fünftklässler
seit Beginn des Schuljahres weiter an der Crostwitzer Mittelschule von pensionierten
Lehrern unterrichtet. Die Eltern fordern angesichts der immer mehr zurückgehenden
sorbischen Sprache den Erhalt des sorbischen Schulnetzes - trotz vorübergehend
sinkender Schülerzahlen. Das Oberverwaltungsgericht in Bautzen hatte in der
vergangenen Woche die Nichteinrichtung der 5. Klasse in Crostwitz als rechtens
befunden.
Die Crostwitzer Elterninitiative hat unterdessen alle rund 1500 Schüler an sorbischen
Schulen an diesem Freitag zu einem Streik aufgerufen. Damit soll der Forderung
nach Zulassung einer fünften Klasse in Crostwitz noch einmal Nachdruck verliehen
werden. Die Schüler sollen am Freitag in den sechs sorbischen Grund- und Mittelschulen
sowie am sorbischen Gymnasium für zwei Stunden dem Unterricht fern bleiben.
Für den 13. September ist zudem eine Demonstration der Sorben vor dem Landtag
in Dresden geplant.
29.08.2001
Im Streit um die sorbische Mittelschule Crostwitz haben die protestierenden Eltern am Mittwoch ein Angebot unterbreitet.
In einem offenen Brief schlagen sie Kultusminister Matthias Rößler
(CDU) die Einrichtung einer zentralen sorbischen Mittelschule in dem kommunalen
Verbandsgebiet "Am Klosterwasser" vor. Dieses umfasst die Orte Panschwitz-Kuckau,
Ralbitz, Crostwitz, Räckelwitz und Nebelschütz. Die Schule soll an drei Standorten
mit uneingeschränktem Bestandsschutz stehen. Crostwitz müsste dabei beachtet
werden.
Ein vierter Schulstandort sollte als Klassen 5 und 6 des sorbischen Gymnasiums
eingerichtet werden, wurde weiter mitgeteilt. Diese Schüler bräuchten dann nicht
mehr nach Bautzen zu fahren. Zudem verlangten die Eltern, dass eine zusätzliche
Grundschule eingerichtet wird. Dem Kompromißangebot der Eltern waren Gesprächen
zwischen dem Vorsitzenden der Domowina, Jan Nuck, und dem Minister vorausgegangen.
"Wir sind bereit, unsere Proteste an dem Tag auszusetzen, an dem wir die
entsprechende schriftlich an konkrete Termine geknüpfte Zusage von Ihnen übergeben
bekommen", hieß es in dem Schreiben. Die Zusage müsse im Einvernehmen mit
der Mehrheitsfraktion des Landtags erfolgen. "Bis zur Vorlage der Zusage
erhalten unsere Kinder wie bisher gültigen Unterricht an der sorbischen Mittelschule
Corstwitz", sagte Elternsprecher Dirk Hentschel.
Aus Protest gegen die Streichung der Klasse 5 an der sorbischen Mittelschule
in Crostwitz gehen 17 Fünftklässler seit drei Wochen statt in die Nachbarschule
Räckelwitz weiterhin nach Crostwitz. Unterrichtet werden sie von pensionierten
Lehrern nach dem regulären Stundenplan. Das Kultusministerium hatte die Einrichtung
einer 5. Klasse wegen zu geringer Schülerzahlen abgelehnt. Das hatte das Oberverwaltungsgericht
in der Vorwoche als rechtens bestätigt. Die Sorben wiederum berufen sich auf
den gesetzlich zugesicherten Minderheitenschutz.
Zum angekündigten Schulstreik an diesem Freitag sagte Hentschel, dass dieser
nicht von den Crostwitzer Eltern initiiert, aber unterstützt werde. Für zwei
Stunden sollen rund 1500 Schüler der Mittelschulen in Crostwitz, Ralbitz, Räckelwitz
und Panschwitz-Kuckau dem Unterricht fernbleiben.
30.08.2001
Der Streit um die sorbische Mittelschule in Crostwitz eskaliert: Auf Anweisung des Regionalschulamtes sind die 17 Fünftklässler aus Crostwitz (Landkreis Kamenz) am Donnerstag aus der sorbischen Mittelschule ausgesperrt worden.
Sie werden nunmehr in der nahe gelegenen
Mehrzweckhalle "Jednota" (Einheit) unterrichtet, teilte Eltern-Sprecher
Dirk Hentschel mit. Vertreter der Sorben und Sympathisanten des Schulprotestes
reagierten empört auf die Zuspitzung der Situation.
Seit nunmehr drei Wochen protestieren Schüler und Eltern gegen die Nichtzulassung
einer fünften Klasse an der Mittelschule in Crostwitz. Die Eltern weigern sich,
ihre Kinder in eine Schule im nahe gelegenen Räckelwitz zu schicken. Sie werden
stattdessen in Crostwitz von pensionierten Lehrern unterrichtet. Die Eltern
wenden sich damit gegen die Entscheidung des Kultusministeriums, das für dieses
Schuljahr wegen zu geringer Schülerzahlen in Crostwitz keine fünfte Klasse mehr
zugelassen hatte. Die Sorben sehen ihre Rechte auf besonderen Schutz der Minderheit,
der Förderung von Sprache und Kultur verletzt. Gerichte hatten die Entscheidung
des Ministeriums dagegen mehrfach bestätigt.
Unterstützung erhielten Schüler und Eltern am Donnerstag vom Crostwitzer CDU-Bürgermeister
Matthias Brützke (CDU). Er bot für den Unterricht einen Ausweichraum an, nachdem
die Kinder am Morgen vor ihrem verschlossenen Klassenzimmer gestanden hatten.
Der Vertreter des Regionalschulamtes Bautzen war von etwa 200 Sympathisanten
des Schulprotestes ausgepfiffen worden.
Die PDS-Landtagsfraktion protestierte umgehend gegen die angeordnete Aussperrung
der Kinder. Minister Rößler habe damit sein Wort gebrochen, eine einvernehmliche
Lösung mit Eltern und der Sorben-Vertretung Domowina zu suchen. Fraktionschef
Peter Porsch forderte Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) auf, den Kultusminister
zum Einlenken zu bewegen.
Für diesen Freitag hat die Schulinitiative Crostwitz unter dem Thema "Sachsen
braucht beste Schulen!" zu einem zweistündigen Schulstreik an allen sorbischen
Schulen aufgerufen. "Wir brauchen kleine Schulen überall dort, wo die Beteiligten
dafür Konzepte entwickelt haben", hieß es in dem Aufruf. Eine kleine Schule
könne eine gute Schule sein. Die sinkenden Schülerzahlen sollten als Chance
für mehr Qualität an den Bildungseinrichtungen genutzt werden.
30.08.2001
Im eskalierenden Streit um die sorbische Mittelschule in Crostwitz (Landkreis Kamenz) geht auch die Auseinandersetzung innerhalb der regierenden CDU weiter.
Der aus Bautzen stammende Landtagsabgeordnete Marko Schiemann griff
am Donnerstag seinen Fraktionskollegen und Kultusminister Matthias Rößler an.
Zugleich forderte er Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) zum Eingreifen
auf.
"Allein der Kultusminister hatte Monate Zeit, um auf einen Kompromiss für
den Erhalt der Schulen im ländlichen Raum hinzuarbeiten. Doch er hat alle Hinweise,
Anregungen und Beschlüsse der CDU-Landtagsfraktion ignoriert", erklärte
Schiemann. Schiemann äußerte Verständnis für die Eltern der sorbischen Schüler,
die die Zulassung einer fünften Klasse in Crostwitz fordern.
30.08.2001
Im Streit um die sorbische Mittelschule in Crostwitz (Landkreis Kamenz) hat Kultusminister Matthias Rößler (CDU) jetzt einen neuen Kompromissvorschlag unterbreitet.
Er bot am Donnerstag an, für die 17 Crostwitzer Kinder eine eigene
fünfte Klasse an einer anderen sorbischen Mittelschule einzurichten. Wenn sich
die Verantwortlichen vor Ort bei der Schulnetzplanung darauf einigen, Crostwitz
als Mittelschulstandort zu erhalten, könnten die Kinder nach Crostwitz zurückkehren.
Dafür müsse aber eine andere Schule aufgegeben werden.
Ein Brief mit den entsprechenden Vorschlägen des Minister sollte noch am Donnerstagabend
den Eltern in Crostwitz übergeben werden. Die Eltern hätten verlangt, diese
am Vorabend bei einem Gespräch unterbreiteten Vorschläge schriftlich in die
Hand zu bekommen, sagte Ministeriumssprecher Steffen Große. Unabhängig von diesem
Angebot verwies das Ministerium nochmals darauf, dass die Kinder endlich den
regulären Unterricht in einer anderen Schule besuchen müssen. Ansonsten könne
die fünfte Klasse nicht anerkannt werden.
Für diesen Freitag hat die Schulinitiative Crostwitz zu einem zweistündigen
Schulstreik an allen sorbischen Schulen aufgerufen. Die Mädchen und Jungen sollen
zwar wie gewohnt zur Schule kommen, aber dem Unterricht fern bleiben. Stattdessen
sollen sie mit sorbische Studenten und Eltern über das Anliegen des Streiks
diskutieren.
31.08.2001
Protest gegen Rößlers Angebot
Im Streit um den Erhalt der sorbischen Schule in Crostwitz haben am Freitagmorgen rund 500 Schüler, Eltern und Ortsbewohner gegen das Angebot von Kultusminister Matthias Rößler (CDU) protestiert.
"Er hat uns den Schwarzen Peter zugeschoben", sagte der Vorsitzende der Domowina, Jan Nuck, am Freitag. "Er drängt uns dazu, uns gegenseitig zu bekämpfen." Rößler hatte am Donnerstag vorgeschlagen, dass die Sorben selbst entscheiden könnten, welche der vier sorbischen Schulen geschlossen werden solle.
04.09.2001
Der Protest um den Erhalt der sorbischen Schule in Crostwitz (Kreis Kamenz) ist vorerst beendet.
Nach rund einem Monat haben am Dienstagmorgen
Schüler und Eltern ihre Aktionen gegen Pläne des Kultusministeriums, zunächst
die fünfte Klasse der Mittelschule und später die ganze Schule zu schließen,
aufgegeben. Sie seien beendet worden, um mit Kultusminister Matthias Rößler
(CDU) verhandeln zu können, sagte der Vorsitzende der Domowina, Jan Nuck, der
dpa. Die 17 Schüler der fünften Klasse gingen ab sofort an die Mittelschule
im benachbarten Ralbitz. Mehrere Eltern begleiteten den Schulbus mit einem Autokonvoi
von Crostwitz nach Ralbitz.
"Unsere Forderungen nach dem Erhalt der Schule Crostwitz bleibt aber bestehen",
sagte Nuck. Jetzt müsse Rößler tatkräftig mitarbeiten, damit eine Lösung erreicht
wird. Sollte es zu keiner Einigung mit dem Kultusministerium kommen, sollen
die Proteste fortgesetzt werden, sagte Nuck.
In der vergangenen Woche hatte der Minister vorgeschlagen, die Sorben sollten
selbst entscheiden, welche von vier sorbischen Schulen geschlossen werden soll.
Am Freitag traten daraufhin rund 1500 Schüler, Eltern und Einwohner an den sieben
sorbischen Schulen in Ostsachsen in einen zweistündigen Streik.
04.09.2001
Reaktion aus Opposition und Tschechien
Der Freistaat habe im In- und Ausland durch die Unnachgiebigkeit Rößlers einen Ansehensverlust erlitten, teilte die PDS- Landtagsfraktion mit.
Die SPD-Fraktion zeigte sich erleichtert
über das Ende der Proteste in Crostwitz. Nach mehreren von der CDU- Mehrheit
im Landtag abgelehnten Anträgen der PDS will die SPD den Erhalt der sorbischen
Schulen bei der Parlamentssitzung am nächsten Donnerstag auf die Tagesordnung
bringen.
Unterdessen sprach sich der tschechische Parlamentsabgeordnete Robert Kopecky
für ein Treffen von Vertretern der Lausitzer Sorben mit dem Prager Ministerpräsidenten
Milos Zeman noch in diesem Monat aus. Auch die Minister für Kultur und Schulen
sollten daran teilnehmen, sagte der Sozialdemokrat in Aussig (Usti nad Labem).
Das tschechische Außenministerium plant eine Spende an die Domowina zur Unterstützung
der sorbischen Kultur in Höhe von 180 000 Kronen (etwa 10 000 Mark).
05.09.2001
Die Zukunft der sorbischen Mittelschulen in Ostsachsen steht weiter zur Debatte.
Die
vor Ort entwickelten Vorschläge zur künftigen Schullandschaft sollen bei einem
Treffen in der zweiten Septemberhälfte in Panschwitz-Kuckau weiter diskutiert
werden, teilte das Kultusministerium am Mittwoch mit. Darauf hatten sich Minister
Matthias Rößler (CDU), Kommunalpolitiker und Vertreter der sorbischen Minderheit
zuvor bei einem Gespräch in Dresden geeinigt.
"Das sorbische Schulnetz wird von sorbischen Kommunalpolitikern, der Kamenzer
Landrätin und anderen Vertretern der Sorben gestaltet. Wir alle hoffen auf ein
gutes Ergebnis", sagte Rößler auf Anfrage der dpa. Das Gespräch fand einen
Tag nach dem vorläufigen Ende des Schulprotestes in Crostwitz (Landkreis Kamenz)
statt. Fast vier Wochen lang waren 17 Fünftklässler dem regulären Unterricht
in einem Nachbarort ferngeblieben, um die Zulassung einer fünften Klasse an
der sorbischen Mittelschule in Crostwitz zu erzwingen. Das Kultusministerium
hatte dies wegen zu geringer Schülerzahlen abgelehnt.
Auf Vorschlag von Rößler einigten sich Kommunalpolitiker und Sorben-Vertreter
am Mittwoch darauf, ihre bisherigen Vorschläge zu den sorbischen Schulstandorten
weiter zu entwickeln und mit einer Finanzplanung zu versehen. Die Domowina forderte
bisher den Erhalt aller sorbischen Mittelschulen in Crostwitz, Panschwitz-Kuckau,
Räckelwitz und Ralbitz. Die Gemeinden und das Landratsamt Kamenz wollen die
vier Standorte durch einen zentralen Neubau ersetzen. Über die Schulnetzplanung
wird nach Aussage der Kamenzer Landrätin Andrea Fischer (CDU) voraussichtlich
im Dezember entschieden.
06.09.2001
Der Sorben-Dachverband Domowina strebt weiter den Erhalt aller sorbischen Mittelschulen in Sachsen an. "Wir arbeiten derzeit an einem Konzept für eine freie Trägerschaft der Schulen", sagte Domowina-Vorsitzender Jan Nuck am Donnerstag auf Anfrage von dpa.
Am Vortag war Nuck in Dresden mit Kultusminister
Matthias Rößler (CDU) und Kommunalpolitikern zu einem Krisengepräch über die
Zukunft der sorbischen Schulen zusammengekommen.
Der Domowina-Vertreter schlug vor, das sorbische Schulnetz direkt dem Kultusministerium
zu unterstellen. Die Kreise machten bei ihrer Schulnetzplanung keinen Unterschied
zwischen deutschen und sorbischen Einrichtungen. Das schade dem Anliegen der
sorbischen Minderheit, sagte Nuck.
Die Proteste in Crostwitz hatten auch international Aufsehen erregt. Nach Unterstützungsbekundungen
aus Tschechien in den vergangenen Tagen setzte sich am Donnerstag der russische
Politiker Dmitrij Rogosin für den Erhalt des Standortes ein. Die Schließungspläne
schadeten dem internationalen Prestige der Bundesrepublik, sagte der Vorsitzende
des Duma-Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten der sorbischen Tageszeitung
"Serbske Nowiny".
Kultusminister Matthias Rößler (CDU), Kommunalpolitiker und Sorben-Vertreter
hatten sich am Mittwoch auf eine Fortsetzung der Debatte geeinigt. Die vor Ort
entwickelten Vorschläge zur Zukunft des sorbischen Schulnetzes sollen bei einem
Treffen in der zweiten Septemberhälfte in Panschwitz-Kuckau weiter diskutiert
werden.
24.10.2001
Mit der größten Protestaktion in ihrer jüngeren Geschichte wehren sich die Sorben in der Lausitz gegen Sachsens Schulpolitik.
Vorläufiger
Höhepunkt einer mehr als dreiwöchigen Auseinandersetzung war am Freitag ein
Streik an den sieben sorbischen Schulen in Ostsachsen. Anlass der Aktion sind
Pläne des Kultusministeriums, zunächst die fünfte Klasse der sorbischen Mittelschule
Crostwitz und damit später die ganze Schule zu schließen. Als nationale Minderheit
sehen die Sorben durch diese Schulpolitik die Erhaltung ihrer Kultur und Sprache
bedroht.
Unter dem Motto "Sachsen braucht beste Schulen!" waren in der ostsächsischen
Lausitz rund 1500 Schüler, Eltern und Einwohner in einen zweistündigen "Streik"
getreten. "Wir können heute sagen, das ist die größte politische Aktion,
die es in der Geschichte der Sorben der letzten 200 bis 300 Jahre gegeben hat",
sagte der Schriftsteller Jurij Koch vor rund 500 Schülern, Eltern und Einwohnern
auf dem Hof der Crostwitzer Schule.
Seit nunmehr drei Wochen protestieren Schüler, Eltern und Prominente wie der
Autor Jurij Brezan gegen die Nichtzulassung der fünften Klasse in Crostwitz.
Kultusminister Matthias Rößler (CDU) besteht auf Grund sinkender Schülerzahlen
auf der Aufgabe eines sorbischen Schulstandortes.
In der Lausitz leben heute etwa 60 000 Sorben - rund 40 000 in Sachsen und 20
000 in Brandenburg - die kein anderes Mutterland außerhalb Deutschlands haben.
Die sorbische Sprache gehört zur westslawischen Sprachgruppe. Erste slawische
Stämme besiedelten bereits um 600 n. Chr. das Gebiet zwischen Elbe und Saale
im Westen sowie Oder und Queiß im Osten. Noch mit Gründung des Klosters Marienstern
1264 waren dort 90 Prozent der Bevölkerung sorbisch (auch: wendisch).
1293
und 1327 wurde die sorbische Sprache in den heutigen Gebieten um Bernburg/Saale,
Altenburg, Zwickau und Leipzig verboten. Nach 1750 entwickelte sich das sorbische
Nationalbewusstsein mit Hilfe der slawischen Nachbarn. Die Neugliederung des
Siedlungsgebietes durch den Wiener Kongress 1815 drängte die Sorben in die Minderheit.
1933 versuchten die Nationalsozialisten in Sachsen und Brandenburg, die Sorben
psychisch und physisch auszurotten. Auch durch den Bergbau in Nordsachsen und
Südbrandenburg verschwanden hunderte sorbische Dörfer.
1945 formierte sich die nationale Minderheit neu, in den 50er Jahren wurden
zahlreiche sorbische Institutionen gegründet. Ein Erlass der DDR-Führung von
1964 führte zum drastischen Rückgang des sorbischen Sprachunterrichts. Mit der
Wende 1989 begann ein demokratischer Erneuerungsprozess der sorbischen Dachorganisation
Domowina. 1996/97 wehrten sich die Sorben erfolgreich gegen eine Kürzung der
Bundesmittel bei der Finanzierung der Stiftung für das sorbische Volk. Sie wurde
1998 zurückgenommen.
24.10.2001
Standorte offen
Der "Runde Tisch" zu den sorbischen Mittelschulen hat sich auf zwei Bildungseinrichtungen mit einer Außenstelle geeinigt.
"Über Standorte wurde in Crostwitz noch nicht gesprochen",
sagte der Vorsitzende der Domowina, Jan Nuck, am Mittwoch der dpa. Er bestätigte
damit einen Bericht der Lausitzausgabe der "Sächsischen Zeitung" vom
selben Tag.
Nuck wolle darüber mit Kultusminister Matthias Rößler (CDU) sprechen. Dieser
hatte es für möglich gehalten, drei der jetztigen vier Mittelschulstandorte
zu erhalten. Unabhängig von der Einigung des "Runden Tisches" werde
weiter die Variante der Freien Trägerschaft geprüft, sagte Nuck.
Völlig abgelehnt worden sei der Vorschlag von Landrätin Andrea Fischer (CDU),
eine neue, zentrale Mittelschule in der Region zu bauen und die Schulen in Ralbitz,
Räckelwitz, Panschwitz-Kuckau und Crostwitz nur noch als Grundschulen zu erhalten.
Als Alternative für einen vierten Standort sei ein Landschulheim mit Bildungsprojekten
denkbar, sagte Raphael Schäfer, Kommissarischer Leiter des Witaj- Sprachzentrums
in Bautzen und Mitglied des "Runden Tisches".
Im Sommer war es zu Elternprotesten, gekommen, weil das Kultusministerium in
der Mittelschule Crostwitz keine Klassenstufe 5 mehr genehmigt hatte. Domowina
und sorbische Eltern befürchten, dass mit Schließung von Schulstandorten ein
Rückgang der sorbischen Sprache droht.
Der aus 25 Vertretern bestehende "Runde Tisch" wird am 5. November
wieder zusammenkommen. Zu den Mitgliedern gehören auch die Bürgermeister der
betroffenen Kommunen.
05.08.2002
Crostwitz (dpa/sn) - Im sorbischen Crostwitz schwappten vor einem Jahr bei Eltern und Schülern die Emotionen hoch.
Der Grund: Das Kultusministerium in Dresden hatte keine Klassenstufe
fünf mehr für die einzügige Schule in dem Ort genehmigt, die betroffenen Fünftklässler
sollten nach Räckelwitz in die Schule gehen.
17 Schüler und ihre Eltern antworteten mit Streik. Mit einem Gottesdienst und
einem Meeting soll am 9. August in Crostwitz (Landkreis Kamenz) an den Schulprotest
vor einem Jahr erinnert werden.
Drei Wochen lang kämpften Eltern und Schüler mit einer Teilbesetzung
der Schulräume für den Erhalt der sorbischen Mittelschule. Allmorgendlich gab
es Versammlungen und Gottesdienste, und die Fünftklässler wurden von pensionierten
Lehrern unterrichtet.
Danach entschieden sich die Eltern unter Vorbehalt für die sorbische Schule
im sechs Kilometer entfernten Ralbitz. Dort bildeten die Crostwitzer Schüler
eine eigene Klasse.
Die Protestaktion erregte internationales Aufsehen, vor allem die slawischen
Nachbarländer und Minderheiten in Europa solidarisierten sich.
Im Dezember vorigen Jahres entschied dann der Kamenzer Kreistag,
im sorbischen Siedlungsgebiet die Mittelschule Räckelwitz mit den Außenstellen
Ralbitz und Panschwitz zu erhalten.
Crostwitz blieb auf der Strecke, obwohl sich ein Runder Tisch für den Erhalt
ausgesprochen hatte. Dafür sollen nach Zusicherung des damaligen Kultusministers
Matthias Rößler (CDU) die Grundschulen im zweisprachigen Gebiet unangetastet
bleiben.
Ein Jahr später ist die Rechtslage immer noch nicht eindeutig, weil im Konzept
für das künftige Netz von Schulen im Landkreis Kamenz einige Details nicht geklärt
sind. Solange werde auch das Kultusministerium nicht zustimmen, sagt die Sprecherin
des Landratsamtes Kamenz, Anja Freudenberg.
Allein im Mittelschulbereich würden durch sinkende Schülerzahlen von derzeit
32 Schulen künftig nur noch 13 benötigt. Voraussichtlich Anfang Oktober werde
der Kreistag erneut darüber beraten.
Stummer Protest
Eltern aus Crostwitz und Umgebung reagierten vor Beginn des neuen
Schuljahres auf ihre Art auf diesen Schwebezustand.
Sie meldeten ihre Kinder wieder für eine fünfte Klasse in Crostwitz an, obwohl
das im Vorjahr vom Kultusministerium nicht mehr gewünscht wurde. Die Schuldirektorin
gab die Anmeldungen weiter nach Ralbitz, wo die Kinder nun auch lernen.
"Die Eltern wollten mit dieser Anmeldung pro forma an die Proteste vor
einem Jahr erinnern", sagt dazu Bozena Paulik vom Witaj-Sprachzentrum des
Sorbenbundes Domowina in Bautzen.
Diese Einrichtung koordiniert zwischen Bautzen und dem brandenburgischen Cottbus
alles, was mit der Pflege und dem Erhalt der Muttersprache zusammenhängt.
"Als nationale Minderheit sind wir in einer schwierigen Situation,
was den Erhalt der Sprache betrifft", beklagt Paulik. Sorbische Schulen
seien öffentliche Sprachräume, von denen es nicht mehr viele gebe.
In sorbischsprachigen Schulen wie Ralbitz und Crostwitz, wo auch Biologie und
Geschichte in der Muttersprache gelehrt wird, sei die Atmosphäre anders als
in Schulen, wo es deutsche und sorbische Klassen gibt.
Ein weiterer Weg, die noch in Ober- und Niedersorbisch untergliederte Sprache
zu fördern, ist das Witaj-Sprachprojekt in Kindergärten der Lausitz. Derzeit
lernen rund 270 Kinder die slawische Sprache auf spielerische Weise.
Europa
"Die Eltern entscheiden sich jedoch nur für eine solches Projekt,
wenn es ein entsprechendes Schulprogramm gibt, das daran anschließt", berichtet
Paulik.
Viele sehen diese Sprachkenntnisse als Brücke zu den polnischen und tschechischen
Nachbarn und damit als Chance für die Zukunft.