News-Service der Burgenlandkroaten 07.07.2003

 

Sorben in Deutschland rufen den Papst gegen die Assimilation zu Hilfe

Mit einem ungewöhnlichen Hilferuf wollen Vertreter der sorbischen Minderheit in Brandenburg und Sachsen auf ihre Probleme aufmerksam machen. Letzte Woche übergaben Mitglieder der sorbischen Dachorganisation Domowina dem Nuntius des Vatikans in Deutschland, Giovanni Lajolo, eine Petition an den Papst. Darin wird Johannes Paul II. gebeten, sich für den Fortbestand des sorbischen Volkes einzusetzen.

Das Oberhaupt der Katholischen Kirche solle - so heißt es in dem Schreiben - seinen Einfluss auf die Bundes- und Landesregierungen geltend machen und sie dazu auffordern, die Gesetze des europäischen Minderheitenrechts einzuhalten.

Der Vorstand der Domowina hat außerdem beschlossen, weitere europäische Staatsmänner anzuschreiben und um Hilfe zu bitten. Grund war ein Bescheid der sächsischen Landesregierung über das endgültige Aus der sorbischen Schule in Crostwitz im Landkreis Kamenz. "Wir fordern nichts weiter als für diese Schulen andere Maßstäbe anzulegen. Das ist in Ländern wie Tschechien, Dänemark oder Holland schon längst der Fall", sagt der Chefredakteur der sorbischen Tageszeitung "Serbske Nowiny", Benedikt Dyrlich.

In dem Schreiben wird vor allem die sächsische Landesregierung kritisiert. Vertreter der in Brandenburg lebenden Sorben verlangen ebenfalls seit längerem, dass bei anstehenden Schulschließungen auf die sorbischen Siedlungsgebiete besondere Rücksicht genommen wird. Im brandenburgischen Bildungsministerium ist man anderer Ansicht. "Es gelten bei Schulschließungen keine Sonderregelungen für die Sorben", sagt Sprecher Martin Gorholt, "obwohl wir versuchen, großzügig zu sein."

Im vergangenen Jahr hatte es Diskussionen um eine Schule in Heinersbrück gegeben. Das Dorf gehört zum sorbischen Siedlungsgebiet in der Niederlausitz, wo im Gegensatz zur sächsischen Oberlausitz vorrangig protestantische Sorben leben. Allerdings hatten sich auch die evangelischen und atheistischen Mitglieder des Bundesvorstands der Domowina für das Bittgesuch an den Papst ausgesprochen. "Sie verbinden große Hoffnungen damit", sagt Benedikt Dyrlich, "weil Johannes Paul II. seine Segensgrüße stets auch in sorbischer Sprache vorträgt. Außerdem kennt er die Probleme. Als er noch Kardinal in Polen war, hat er Crostwitz und das benachbarte Kloster besucht."

Dass die Sorgen der Sorben über weitere dramatische Kürzungen der finanziellen Zuschüsse durchaus berechtigt sind, bestätigte sich bei einem Termin von Domowina-Mitgliedern im Bundesinnenministerium. Bedauernd wurde ihnen mitgeteilt, dass die Zuschüsse für die Sorbische Stiftung um mehr als 180.000 Euro gekürzt werden.