Eurolang 18.09.2003

 

Sorbische Eltern gehen in die 2. Instanz um ihre Schule zu retten

Copenhagen 18/09/03, by Brigitte Alfter

Die Schule in Crostwitz - eine von zwei Mittelschulen, wo in der sorbischen Sprache unterrichtet wird - ist seit den Sommerferien geschlossen. Sie ist den neuen sächsichen Schulregeln zum Opfer gefallen, die mindestens 20 Kinder pro Klasse und mindestens 40 Kinder pro Schule fordern. In der Crostwitzer Schule waren in den vergangenen Jahren bis zu 17 Kinder pro Klasse, aber in der jüngsten Klasse waren für dieses Schuljahr nur 7 Kinder angemeldet.

Zurzeit gehen die Kinder in eine andere Schule, während die Crostwitzer Schule geschlossen ist. Mit der einstweiligen Verfügung hoffen die Eltern die Crostwitzer Schule am Leben zu erhalten bis ein prinzipielles Gerichtsverfahren, das die Eltern parallel eingeleitet haben, entschieden ist.

In der prinzipiellen Verhandlung geht es darum, ob Minderheitenrechte - wie sie in der Landesverfassung des Bundeslandes Sachsen garantiert sind - schwerer wiegen als die Pflicht der Politiker, mit öffentlichen Geldern verantwortlich umzugehen, die in der sächsischen Gesetzgebung verankert ist. Dies berichtet der Rechtsanwalt der Elterngruppe, Thomas Schmidt.

Vertreter der Minderheit sind der Auffassung, das Regeln, die die normalen Schulen betreffen, nicht unbedingt ebenso auf Minderheitenschulen angewandt werden können. Schon vor zwei Jahren, als der Streit um den Erhalt der sorbischen Schulen anfing, sagte ein Sprecher, dass die sorbischen Schulen ja mehr als einfache Schulen sind, da sie auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der nationalen Identität der Minderheitenjugendlichen spielen.

Crostwitz ist eine von zwei sorbischen Mittelschulen. Die Mindereit hatte bisher zwei Grund- und zwei Mittelschulen, darüberhinaus gibt es vier Grund- und Mittelschulen, die sowohl sorbische als auch deutsche Klassen haben. Um ihre Ausbildung fortzusetzen können die Schüler das sorbische Gymnasium besuchen.

Seit die Eltern der Crostwitzer Schule nur wenige Wochen vor den Sommerferien über die geplante Schliessung erfuhren gabe es zahlreiche Protestaktionen.

Vor kurzem gab es eine Demonstration in der Nähe der deutschen Botschaft in Prag während des Besuches des deutschen Bundeskanzler in Tschechien.

Die katholischen Sorben hatten sich schon im Juli mit der Bitte um Hilfe an den Papst gewendet. Vor kurzem sendete dieser seine Antwort. Der Vorsitzende der sorbischen Dachorganisation Domowina, Jan Nuuk, gab laut einer Pressemitteilung der Domowina die Botschaft des Papstes vor kurzem an die Eltern in Crostwitz weiter. Der Papst liess ausrichten, dass er an die Gemeinde in Crostwitz denke, für sie betet und sie segnet.

Die Sorben sind eine slawische Minderheit, etwa 60.000 Sorben leben in den Bundesländern Sachsen und Brandenburg. (EL)