Freie Presse 10.07.2003
Domowina fordert Rechtsverordnung für sorbische Schulen
Bautzen (ddp-lsc). Die Sorben drängen auf verbindliche Ausnahmeregelungen für den Erhalt sorbischer Schulen. Wie der Vorsitzende des sorbischen Dachverbandes Domowina, Jan Nuck, sagte, hat Sachsens Kultusministerium immer Schülerzahlen und angebliche Bildungsziele zum "Maßstab aller Dinge" genommen. Der Vergleich mit der deutschen Mehrheitsbevölkerung sei jedoch ungeeignet bei der Entscheidung, ob sorbische Schulen weiter bestehen dürften. Die Domowina hält eine bindende Rechtsverordnung für das sorbische Schulwesen deshalb für notwendig und will ihre Thesen dazu an die sächsische Regierung übermitteln.
Nach den Vorstellungen der Sorben müssen sorbische Schulen generell einzügig existieren dürfen. Zudem sollten 75 Prozent des Unterrichts an Grundschulen und 50 Prozent an Mittelschulen in Sorbisch gehalten werden. Nach dem Entwurf zur Novellierung des sächsischen Schulgesetzes seien Sonderregelungen zwar möglich, aber nicht zwingend darin festgelegt, bedauerte Nuck.
Die Mittelschule in Crostwitz, die zum Ende dieses Schuljahres wegen zu geringer Schülerzahlen geschlossen werden soll, gibt die Domowina noch nicht verloren. Gegen die Entscheidung des Kultusministeriums würden Eltern betroffener Schüler möglicherweise gerichtlich vorgehen, sagte Nuck. Mit Freunden in Tschechien werde sogar nach Finanzierungsmöglichkeiten gesucht, um den Schulstandort im Kerngebiet der katholischen Sorben zu erhalten.
Eine Übernahme in freie Trägerschaft, wie es die Domowina in Betracht gezogen hatte, sei für Minderheitenschulen in Sachsen unter den geltenden Gesetzen nicht machbar, räumte Nuck ein. Die Maßstäbe dafür seien schlichtweg zu streng. Er ist überzeugt, dass nur eine Minderheit selbst ihr Schulwesen zufrieden stellend gestalten kann. Ähnlich wie für die dänischen Schulen in Schleswig-Holstein sollte den Sorben deshalb mehr Bildungsautonomie gewährt werden, sagte Nuck. Anders als die dänische Minderheit, habe das kleinste slawische Volk allerdings kein Mutterland, von dem es finanzielle Zuschüsse bekommen könnte. Im Kontaktausschuss für die Sorben beim Bundesinnenministerium sei Anfang Juli vereinbart worden, dass im Herbst eine Bildungskonferenz in Bautzen veranstaltet wird, um über aktuelle Probleme zu beraten. (www.sorben-wenden.de)
(ddp)