MDR Nachrichten + Politik 12.07.2003

 

Sorbische Schulen

Domowina baut auf Beistand aus Berlin

Von Schließung bedroht: Die sorbische Mittelschule in Crostwitz

Die Domowina gibt den Kampf um die sorbische Mittelschule in Crostwitz nicht auf. Nachdem die sächsische Landesregierung die Schließung der Schule bestätigt hatte, hofft der Dachverband der Sorben auf den Beistand des Bundes. Zudem erwägt der Verband nach Auskunft des Vorsitzenden, Nuck, rechtlich gegen die Schließung vorzugehen. Fünf Elternpaare hätten bereits einen Anwalt beauftragt.

Verlust der sorbischen Sprache befürchtet

Die Domowina befürchtet, dass mit der Schließung der Schule in Crostwitz es für die Sorben noch schwieriger sein wird, ihre Kultur lebendig zu halten. Auch werde der Erhalt der sorbischen Sprache immer schwieriger. An der Crostwitzer Schule wurde ausschließlich auf sorbisch unterrichtet. Jetzt müssten die Schüler auf deutsch-sorbische Schulen ausweichen. Nuck vermutet, dass sie dort gezwungen sein werden, mehr deutsch zu sprechen.

Nuck: "Ein Votum gegen das kleinste Slawenvolk"

Ziel der Sorben ist es laut Nuck, mehr Eigenverantwortung für die sorbischen Schulen zu bekommen. Ein Vorbild sei die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein, die im Schulbereich größere Freiheiten habe. Allerdings würden die Dänen in Schleswig-Holstein finanziell von der Regierung in Kopenhagen unterstützt. Huck sagte: "Man kann uns doch nicht benachteiligen, dass wir keinen Heimatstaat haben."


Zuletzt nur 17 Fünftklässler

Der Streit um die Crostwitzer Schule begann 2001 mit dem Beschluss des Kamenzer Kreistages, die Schule zu schließen. Domowina-Vorsitzender Nuck erklärte damals, die Entscheidung sei "ein Votum der deutschen Mehrheit gegen das kleinste slawische Volk". Das sächsische Kultusministerium hatte zuvor verlangt, dass eine der vier vorhandenen sorbischen Mittelschulen wegen zu geringer Schülerzahlen geschlossen werden muss. Es traf schließlich Crostwitz, weil es dort zuletzt nur noch 17 sorbische Fünftklässler gab.