MDR - Nachrichten 22.08.2003
Crostwitzer Schule steht vor dem Aus
Die sorbische Mittelschule in Crostwitz muss höchstwahrscheinlich nun doch schließen. Eine entsprechende Entscheidung des Kultusministeriums bestätigte am Freitag das Verwaltungsgericht Dresden. Ein Antrag von Schülern und Eltern auf Gewährung von vorläufigem Rechtsschutz wurde abgelehnt. Von der Schließung sind 49 Schüler betroffen. Den Betroffenen bleibt jetzt nur noch die Möglichkeit, Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht in Bautzen einzulegen.
Gericht: Regeln gelten für alle
Zur Begründung erklärte das Gericht, die Vorschriften in Sachsen würden von allen Mittelschulen mindestens zwei Parallelklassen verlangen. In Crostwitz gebe es aber viel zu wenig Schüler dafür. Auch in Zukunft werde sich an der Zahl der Einschulungen voraussichtlich nichts ändern. Deshalb sei die Schließung gerechtfertigt. Daran änderten auch die Regelungen zum Schutz der sorbischen Sprache nichts. Die betroffenen Schüler könnten im benachbarten Ralbitz zur Schule gehen, wo ebenfalls auf Sorbisch unterrichtet werde.
Domowina: "Gegen das kleinste slawische Volk"
Bereits im Schuljahr 2001/2002 wurde in Crostwitz wegen des Schülermangels keine 5. Klasse mehr zugelassen. Daraufhin kam es zu wochenlangen Protesten von Eltern, Lehrern und sorbischen Organisationen. Der Vorsitzende des sorbischen Dachverbandes Domowina, Nuck, erklärte damals, die Entscheidung sei "ein Votum der deutschen Mehrheit gegen das kleinste slawische Volk". Der Verband befürchtet mit der Schließung ein weiteres Zurückdrängen der sorbischen Sprache und Kultur.