Serbske Nowiny Juli 2003

 

Eltern wollen klagen

Demonstration für die Sorbische Mittelschule Crostwitz am 11. Juli 2003

Crostwitz (SN/MkWj). Gerichtlich wollen betroffene Eltern gegen die Schließung der Sorbischen Mittelschule in Crostwitz im Landkreis Kamenz vorgehen. Das bestätigte der Vorsitzende der Domowina Jan Nuck gegenüber Serbske Nowiny. Das Sächsische Kultusministerium hatte vor zwei Jahren die Schließung wegen zu geringer Schülerzahlen angekündigt und damit massiven Protest von Eltern und Sympathisanten ausgelöst.

Mittlerweile haben fünf Elternpaare nach Angaben von Nuck einen Anwalt beauftragt, gegen den Beschluss Klage ein­zureichen. Weitere Eltern wollen sich anschließen. Mit der Schulschließung werde es für die Sorben noch schwieriger, ihre Kultur lebendig zu halten, betont Nuck.

Rechtsanwalt Thorsten Schmid, der die Klagen der Eltern vorbereitet, bemängelt vor allem, dass die Eltern bislang nicht in einem offiziellen Schreiben informiert wurden, dass sie ihre Kinder nach den Sommerferien in die Ralbitzer Schule schicken sollen. Damit fehlt ein rechtsmittelfähiger Bescheid, gegen den die Eltern beim Verwaltungsgericht Widerspruch einlegen könnten.

Inzwischen hat der sächsische Mini­sterpräsident Georg Milbradt (CDU) indirekt den Fortbestand dreier sorbischer Mittelschulen bestätigt. In einem Schrei­ben an den tschechischen Schriftsteller Milan Hrabal aus Varnsdorf, der allein 15 000 Unterschriften für den Erhalt der Crostwitzer Schule gesammelt hat, schreibt Milbradt: "Auch nach der Schließung der Schule in Crostwitz wird es im sorbischen Gebiet immer noch drei Mittelschulen geben ..." Gleichwohl betont Milbradt, dass die Weiterführung der Crostwitzer Schule angesichts geringer Schülerzahlen - auch unter dem Gesichtspunkt des Minderheitenschutzes - nicht zu rechtfertigen ist.

 

Zur Schließung der sorbischen Mittelschule in Crostwitz

"Das ist eine große Niederlage"

Crostwitz (SN/AW). Die Nachricht, dass das sächsische Kultusministerium Ende Juni in einem Fax an die Gemeindeverwaltung Crostwitz im Landkreis Kamenz die Schließung der dortigen sorbischen Mittelschule ab dem Schuljahr 2003/04 forderte, entfachte in der Lausitz Empö­rung. "Das ist eine große Niederlage für uns Sorben", sagte gegenüber unserer Zeitung der Crostwitzer Pfarrer Clemens Rehor. Er kämpft von Anfang an für den Erhalt dieser Bildungsstätte. "Damit werde ich mich niemals abfinden. Die Schließung unserer Schule ist ein Beweis dafür, dass den herrschenden Politikern in Sachsen der sorbische Spracherhalt egal ist." Die Vorsitzende des sächsischen Sorbenrates und Bundestagsabgeordnete Maria Michalk (CDU) sagte, dass wegen der niedrigen Schülerzahl nicht alle vier Standorte der sorbischen Mittelschulen im Landkreis Kamenz erhalten bleiben kön­nen. "Trotzdem stellten wir für Crostwitz die Forderung nach einer sorbischen Alternative, einen Sonderkonzept." Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Sächsischen Landtag Thomas Jurk bezeichnet die sächsische Schulpolitik als unmöglich. „Die SPD hat für die Crostwitzer Schule ein Alternativ-Modell vorgeschlagen." Überhaupt sehe er in der Novellierung des sächsischen Schulgesetzes "eine Veralberung" der Menschen. "Das alles lässt sich durch Wahlen verändern", so Jurk.

An den vorausgegangenen Demonstra­tionen für den Erhalt der Crostwitzer Mittelschule beteiligte sich auch Merka Kosel, PDS-Kreisvorsitzende in Bautzen. Die Aufforderung zur Schließung der Bildungsstätte bewertet sie als einen Skandal. "Das ist ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die um den Schulerhalt kämpfen, sowie der Wähler, die für die CDU gestimmt haben." Sie sehe aber noch eine Chance, sollte die Domowina eine neue Protestaktion auslösen. Die Vorsitzende des Sorbischen Schulvereins Ludmila Budar bedauert die Schulschließung: "Weil dies der erste Schritt zur Bildung einer einzigen zentralen sorbischen Mittelschule im Landkreis Kamenz ist. Das müssen wir verhindern!" Die Crostwitzer Schule pflege wahre Zweisprachigkeit, "was ja Ziel unserer neuen pädagogischen Konzeption für den Erhalt und die Belebung der sorbischen Sprache ist".

Bitte um päpstlichen Beistand

Bautzen (SN/BD). Mit der Bitte um Beistand gegen die Schließung der Sorbischen Mittelschule Crostwitz sowie weiterer sorbischer Bildungsstätten wandte sich die Domowina an Papst Johannes Paul II. Im Brief, den Vorsitzender Jan Nuck unterschrieb, heißt es u. a.: "Wir bitten Sie, Heiliger Vater, sich für den Erhalt des sorbischen Volkes einzusetzen, indem Sie die Regierung der Bundesrepublik Deutschland als Mutterland der Sorben und die sächsische Staatsregierung auffordern, die Gesetze des europäischen Minderheitenrechts, die von beiden Regierungen anerkannt werden, einzuhalten und in vollem Umfang anzuwenden." Mit dem Schreiben informiert Nuck das Oberhaupt der katholischen Kirche über die vom sächsischen Schulgesetz vorgegebene Mindestschülerzahl für die Bildung selbstständiger Klassen, die im sorbischen Schulbereich aus objektiven Gründen derzeit nicht erreicht werden können. Dabei behandelt die sächsische Staatsregierung, so Nuck, entgegen allen Empfehlungen des Ministerkomitees des Europarates die sorbischen Schulen mit weitgehend gleichen Maßstäben, wie sie für die Schulen der deutschen Mehrheit gelten. "Mit jeder sorbischen Bildungsstätte, die geschlossen wird, verliert das sorbische Volk für seine Existenz unverzichtbare Sprachräume" und mit der Crostwitzer Schule sogar noch "eine bedeutende religiösnationale Bildungsstätte der katholischen Sorben". Die Petition an den Papst wurde am l. Juli in Panschwitz-Kuckau an den Nuntius des Vatikans in der Bundesrepublik Deutschland Erzbischof Dr. Giovanni Lajol überreicht.