Sächsische Zeitung 04.07.2003

Der Papst kennt Crostwitz - wird er die Schule retten?
Sorben fordern Unterstützung von der Bundesregierung

Bautzen/Berlin. Papst Johannes Paul II. erfährt in diesen Tagen von den Sorgen der Sorben. Weil jetzt mitten im Kernland der katholischen Sorben im Landkreis Kamenz die fast 100 Jahre alte sorbische Mittelschule in Crostwitz geschlossen wird, übergab der Dachverband Domowina einen Brief an den Nuntius des Vatikans in Deutschland. Schule und Kirche seien wichtige Sprachräume, sagte Domowina-Vorsitzender Jan Nuck. Vor fast 30 Jahren hatte der Papst Crostwitz besucht, damals war er Kardinal in Krakow (Krakau). In seinen Ansprachen zu Ostern und Weihnachten grüßt der aus Polen stammende Papst auch in Sorbisch, sagt Nuck.

Mit dem Schulsystem in Sachsen und Brandenburg beschäftigte sich gestern in Berlin auch der Kontaktausschuss der Sorben zur Bundesregierung während seines dritten Treffens. Auf die Information über die Schließung der Mittelschule Crostwitz sei "emotionslos" reagiert worden, so Nuck, da der Bund nicht zuständig sei. Die Vertreter der Sorben im Gremium forderten die Sicherung der sächsischen Schulstandorte und verbindliche Regelungen zu Klassenstärke und Zügigkeit. 75 Prozent des Unterrichts an Grundschulen und 50 Prozent an Mittelschulen sollen in Sorbisch gehalten werden. Ins Spiel brachte die Domowina auch das Vorhaben, zumindest wichtige Schulen als Träger zu übernehmen.

Eine Konferenz Ende November in Bautzen wird sich mit Bildungsfragen befassen. Das Bundesinnenministerium wird die Moderation übernehmen und im Vorfeld auch untersuchen lassen, unter welchen Bedingungen Minderheiten Schulen übernehmen können. (SZ/cam)