Sächsische Zeitung 05.07.2003
Kruzifix für Crostwitzer
symbolisiert: "Wir bleiben"
Tschechischer Verein steigt in Kampf um Mittelschule ein
Von Carla Mattern
"Wir waren. Wir sind. Wir bleiben." Darüber waren sich am Donnerstagabend gut 100 Eltern und Sorben einig, die sich auf Einladung des Sorben-Dachverbandes Domowina in Crostwitz im Landkreis Kamenz getroffen hatten. Die Inschrift auf dem hölzernen Kreuz, das Gläubige aus der benachbarten Ralbitzer Kirchgemeinde den Crostwitzern zum Beginn des Schulaufstandes vor zwei Jahren geschenkt hatten, ist dabei Leitspruch.
Bisher stand das Kruzifix in den Räumen der Crostwitzer Kirche. Am kommenden Freitag, wenn die sorbische Mittelschule in Crostwitz nach dem Willen des Kultusministeriums endgültig schließt, findet es einen neuen Platz in unmittelbarer Nähe der Schule. Zuvor wird es geweiht. Auf dem Schulhof der Mittelschule versammeln sich danach Eltern, Schüler und Unterstützer zu einer Protestaktion.
Bereits in der Woche werden sich ein Anwalt und Eltern über die Chancen einer Klage gegen die Schulschließung verständigen. Die Domowina werde diese Klage auf jeden Fall unterstützen, hatte der Chef des Dachverbandes Jan Nuck spontan gesagt, als er von dem Aus für die Mittelschule erfahren hatte.
Hilfe organisiert derweil auch ein Verein im tschechischen Hradek nad Nisou. Jiri Tyr, der Vorsitzende des Vereins "Trojzemi" (zu Deutsch Dreiländereck), hat in einem Brief die tschechische Regierung in Prag aufgefordert, sich mit der sächsischen in Dresden über die Rücknahme der Schulschließung zu verständigen. Sachsen und Tschechen sollten gemeinsam in Brüssel bei der europäischen Regierung vorstellig werden. Ziel: Euros organisieren, damit die finanziell aufwendigeren Minderheiten-Schulen nicht geschlossen werden müssen. Bis das Geld von der EU in Dresden ankomme, sollte Tschechien Sachsen finanziell aushelfen, so der Vorschlag des Hradekers Jiri Tyr.
Vor fast zwei Jahren hatten 17 Fünftklässler mit
ihren sorbischen und deutschen Eltern in einem Aufsehen erregenden Schulstreik
18 Schultage lang darum gekämpft, dass sie in der sorbischen Mittelschule
in Crostwitz lernen können. Ohne neue fünfte Klasse war das Aus für
die knapp 100 Jahre alte Schule im Kerngebiet der katholischen Sorben noch eine
Frage der Zeit.