Sächsische Zeitung 26.08.2003

 

"Nur in neuen Strukturen kommen wir von der Stelle"

Domowina-Chef Jan Nuck will Regelungen wie für die Dänen / Kampf um Mittelschule Crostwitz geht weiterDomowina-Chef Jan Nuck will Regelungen wie für die Dänen / Kampf um Mittelschule Crostwitz geht weiter.

Crostwitz. "Manchmal ist es schwer, Mensch zu sein", meint Jan Paulick nachdenklich. Kurz nach sieben steht der Rentner gestern mit in der Menge. Rund 200 Schüler, Eltern, Lehrer, Sympathisanten und Gäste versammeln sich Montag auf dem Hof der Jurij-Chezka-Mittelschule. Auf Weisung des Kultusministeriums bleibt die Einrichtung jedoch geschlossen. "Hier geht es nicht nur um die Existenz einer Schule", so Jan Paulick. "Hier geht es um die Existenz des sorbischen Volkes. Das Schulwesen spielt eine Schlüsselrolle." Von Anfang an - seit Sommer 2001 - begleitet der Radiborer die Proteste.

42 Kläger kämpfen inzwischen vor Gericht.: Das Kultusministerium soll die zum 31. Juli geschlossene Mittelschule wieder öffnen. Personal und Finanzen sollen zur Verfügung stehen. Doch Freitag wies das Gericht den Eilantrag der Eltern ab. Begründung: der absolute Ausnahmefall greift bei Crostwitz nicht. "Ich bin sehr enttäuscht", spricht Anwalt Torsten Schmidt Klartext. Er nennt den Paragrafen 4a des Schulgesetztes. Bezogen auf die Zweizügigkeit, Mindestschülerzahl, Klassengröße und Klassenverbände sind Ausnahmen möglich. "Leider legen die Gerichte dies anders aus", ermutigt Schmidt die Eltern zum Weiterkämpfen.

Ihre Klage geht in die zweite Instanz.n hoffnungsloser Fall? Das ganze Wochenende hat Schmidt über den Akten gebrütet. Er hat Fehler in der Dresdner Entscheidung aufgelistet, den besonderen muttersprachlichen Wert der Crostwitzer Mittelschule herausgestellt. Nur eine Einzügigkeit könnte sie jetzt noch retten.

"Wir bleiben optimistisch, dass die Schule doch noch erhalten wird", meint Mutter Maria Kmetsch aus Crostwitz. Von Anfang an ist sie bei den Protesten dabei. Sie kämpft für Sohn Martin. Der lernt schon in der 8. Klasse - jetzt in der Ralbitzer Mittelschule. "Es war die letzte 5. Klasse, die hier anfing", schildert die Mutter. Woher sie die Kraft nimmt, weiter zu kämpfen? Sie erzählt von den vielen Gesprächen - mit dem Rechtsanwalt, mit Pfarrer Clemens Rehor, auch mit den anderen Eltern. "Wir stehen weiterhin solidarisch an ihrer Seite. Wenn die Eltern es wollen, begleiten wir die Klage bis zum Europäischen Gerichtshof", sagt Jan Nuck, Vorsitzender der Domowina. Er sieht sich als Unterstützer. Als Brücke im Informationsfluss. Die kön-nen die Eltern dringend gebrauchen. Kostet doch das Gesamtverfahren vor Gericht rund 13 000 Euro. "Erst die Hälfte ist gegenwärtig gesammelt", so der Vorsitzende der Domowina. Haben die Sorben es selbst versäumt, eher zu handeln? Eher ein klares Konzept der deutschen Seite vorzulegen? "Wir müssen das sorbische Schulwesen in andere Strukturen bringen", ist Nuck überzeugt. "In den Strukturen des sächsischen Schulwesens ist immer noch die Vergleichbarkeit gegeben. So kommen wir nicht von der Stelle." Als Vorbild nennt er die Schulregelungen für die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein. Von den Dänen lernen ... (AK)