– Übersetzung aus dem Tschechischen –

Offener Brief an das Sächsische Staatsministerium für Kultus
Petition für den Erhalt der sorbischen Mittelschule Crostwitz
Vorschlag zur Gewinnung zusätzlicher Mitteln von der EU zur Unterhaltung sorbischer Schulen
Verehrte Freunde,
wir haben aus der Oberlausitz Nachricht über Ihr Vorhaben erhalten, die sorbische Mittelschule Crostwitz zum neuen Schuljahr 2003/2004 zu schließen. Wir verstehen einige der Gründe dafür. Zugleich erinnern wir aber daran, dass die Sorben – das in Deutschland lebende kleinste slawische Volk – nicht viele eigene Schulen haben. Die Schließung einer dieser Schulen hätte sehr negative, ja schicksalhafte Folgen für die Sorben und ihre Kultur. In Zukunft würde es nämlich sicherlich zur Schließung weiterer Schulen aus denselben Gründen kommen, bis möglicherweise nur eine einzige Schule bleiben würde. Wir schließen uns deswegen der Aussage des Vorsitzenden der Domowina Jan Nuck an, dass es sich hier um eine nationale Tragödie für die Sorben handelt, die irreversible Auswirkungen auf das weitere Schicksal dieses slawischen Volkes haben wird. Wir meinen, dass die sächsische Mindestzahl von 20 Schülern für eine Schulklasse in Bezug auf eine nationale Minderheit sehr unbarmherzig ist. In Tschechien beträgt die Mindestzahl 13 Schüler und unlängst wurde eine Herabsetzung auf 10 Schüler je Klasse verabschiedet.
Weiterhin sind wir der Meinung, dass der Erhalt der sorbischen Kultur, eines Teils des kulturellen Genofonds Europas, auch eine europäische Dimension hat und nicht nur ein lokales Problem darstellt. Die Lösung des Problems sehen wir daher auch in der Möglichkeit der Gewinnung zusätzlicher Mittel von der Europäischen Union zur Unterhaltung der sorbischen Schulen und der Ausweitung ihrer Zusammenarbeit mit dem tschechischen Bildungssystem. Wir bieten Ihnen dabei unsere Zusammenarbeit an.
Wir legen Ihnen Dokumente über das Projekt „Die Lausitz und die EU“ und Informationen über die Vorbereitungen zur Tagung des Ausschusses für europäische Integration des tschechischen Parlaments (VEI) in der Lausitz bei. Wichtiger Tagesordnungspunkt wird gerade die Koordinierung der tschechischen Hilfe für die sorbischen Schulen sein.
Wir erlauben uns hiermit, Sie zur Rücknahme Ihrer Entscheidung, die sorbische Mittelschule Crostwitz ab dem neuen Schuljahr 2003/2004 zu schließen, aufzufordern und bitten Sie um eine Stellungnahme zum oben erwähnten Vorschlag eines tschechisch-sächsischen Projekts zur Gewinnung zusätzlicher Mittel von der Europäischen Union für die Unterhaltung der sorbischen Schulen und die Ausweitung ihrer Zusammenarbeit mit dem tschechischen Bildungssystem.
Wir freuen uns auf Ihre Antwort und Zusammenarbeit.
Mit freundlichen Grüßen
Cyž, Bjarnat, Geschäftsführer der Domowina
Delan, Šćěpan, Vorsitzender des Cyrill-Methodius Vereins
Hrabal, Milan, Mitglied des Tschechischen Zentrums des int. PEN-klubu
Kohlíček, Jaromír, Mitglied des Parlaments der Tschechischen Republik
Komárek, Walter, ehem. 1. Stellvertreter der tschech. Regierung
Vertreten durch Kozlerová, Vlasta
Kopecký, Robert, Mitglied des Parlaments der Tschechischen Republik
Němec, Oldřich, Mitglied des Parlaments der Tschechischen Republik
Šatava, Leoš, Vorsitzender des Vereins Freunde der Sorben
Týř, Jiří, Verein Trojzemí.cz
Vydra, František, Verein Trojzemí.cz
Mitglieder des Koordinationsrates des Projekts "Die Lausitz und die Europäische Union"
Hrádek nad Nisou – Liberec – Prag – Varnsdorf – Bautzen, 10.7.2003